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CSIm Gespräch mit loomit - Teil 1

16.02.2010, 20:15 Uhr -



Schon bald startet die 16te Ausgabe der ESL Pro Series. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken nahm unser Redakteur Patrick 'eSportler' Möller den Team-Captain Christoph 'loomit' Normann zur Seite und sprach mit ihm über seine Counter-Strike Karriere, die eSport Community und über das neue Team. Im ersten Teil widmen wir uns seiner Person und seiner Sicht auf das Verhalten der eSport Fans.



ESC.ICY BOX: Wie hat damals deine Gamer Karriere begonnen? Du bist ja schon sehr lang Teil der EPS - aber wie sah eigentlich die Zeit davor aus?


Christoph 'loomit' Normann: Ich war in meiner Jugend eigentlich ein ganz gewöhnlicher Junge, der nach der Schule mit seinen Kollegen rumhängt und ziellos durch die Stadt zieht. Im Sommer habe ich den Großteil meiner Zeit im Freibad oder beim Skaten auf der Halfpipe verbracht. Mein Bruder ist zwei Jahre älter und hat sich schon damals sehr für den Computer interessiert. Ich habe ihn immer ausgelacht, wie er den ganzen Tag vor dem PC verbringen kann und sonst nichts anderes macht. Als ich 16 war, habe ich dann meinen ersten eigenen PC bekommen und hatte vorher schon hin und wieder mal Counter-Strike bei meinem Bruder gespielt, konnte mich aber nie so sehr dafür begeistern, dass es mich irgendwie fesseln würde.

Mit dem eigenen PC und der eigenen Internetleitung hat sich das allerdings schnell geändert. Im Januar 2000 habe ich dann selbst angefangen zu spielen, aber nur nachmittags nach der Schule, bevor ich zu meinen Kollegen gegangen bin oder am Wochenende. Nach und nach habe ich angefangen mehr zu spielen. Ich habe damals die ersten Demos gesehen, von TAMM gegen FEAR-Factory oder Massive Attack gegen Nordic Division. Zu sehen, wie professionell das war, hat mich total begeistert und so habe ich fast die kompletten Ferien am Computer verbracht und wollte so schnell es geht ein guter Spieler werden. So nahm alles seinen Lauf.


ESC.ICY BOX: Auf die Demotheorie folgte schließlich die Praxis. Wie sah dein EPS-Aufstieg schlussendlich aus?

loomit: Angefangen habe ich, wie fast jeder, in einem Team mit meinen Freunden, die auch gespielt haben. Wir haben ein paar Keller-LANs gemacht und in der Stammkneipe-Liga gespielt. Ich habe schnell gemerkt, dass ich der einzige bin, der das Spiel ernster nimmt und dort etwas erreichen will, was mich dazu brachte, 2002 zu unseren Rivalen aus der Nachbarstadt zu wechseln.

Das meiner Meinung nach Krasse war, dass wir damals, vor 8 Jahren, eine kleine Wohnung gemietet hatten, in der unsere fünf Rechner standen. Von dort aus haben wir jeden Abend trainiert und gespielt. Alle Spieler waren, für die Zeit, von der Einstellung her richtig professionell, was wohl ihr Alter ausmachte, denn alle waren älter als ich. Das war auch das Problem, denn keiner von ihnen konnte sich noch entwickeln, alle blieben auf ihrem Level und so bin ich 2003 zu JFF gewechselt. Das war eigentlich mein erstes Team, das in oberen Ligen, wie der GameStar Liga, aktiv war. Nach einem halben Jahr bei JFF habe ich mich per Nachricht über die mTw-Page bei hazz angeboten. Das Team bestand zu dem Zeitpunkt nur aus drei Spielern: ash, hazz und Madferret.

todi und r4id haben das Team kurz zuvor verlassen und koj war bei mousesports tätig. Die Chance wollte ich nutzen und habe hazz einen ziemlichen Roman geschrieben. Es kam wohl tatsächlich an und sie haben mich dann ein paar Tage getestet. Im Januar 2004 wurde ich dann gefragt, ob ich Lust hätte, die NGL Finals mit mTw zu spielen. Ich habe natürlich zugesagt und danach ging alles ganz schnell. Eine Woche später Bootcamp, die Woche darauf NGL Finals und danach begann die vierte Saison der EPS und meine erste. Praktisch von 0 auf 100 in drei Wochen.


ESC.ICY BOX: Inwiefern unterschieden sich die damaligen Strukturen im elektronischen Sport von den jetzigen aus Sicht eines Spielers?

loomit: Was die Professionalität angeht, die Organisationen und die EPS, so hat sich einiges getan. Damals gab es keine Verträge, nur bei mousesports vielleicht. Ich glaube, das war auch das einzige Team in Deutschland, welches zu dem Zeitpunkt Geld für CS bekommen hat. Über so was hat man damals noch gar nicht nachgedacht. Die Clans sind im Vergleich heute viel professioneller, viel besser aufgestellt und haben teilweise große Firmen im Rücken, die viel Geld investieren. Es gibt Verträge und viele Spieler verdienen eine Menge Geld mit CS. Auch die EPS ist viel besser geworden. Die Liga ist viel besser strukturiert und alles wird in geregelten Bahnen durchgezogen. Die iFNGs oder auch die Events der Extreme Masters haben Ausmaße angenommen, die man sich damals nicht hätte vorstellen können.

Auf der anderen Seite hat sich auch die Community wahnsinnig verändert. Leider im negativen Sinne. Damals gab es zwar auch Neider und Flamer, aber das waren nicht viele. Im Großen und Ganzen war die Community einfach viel familiärer. Die Spieler hatten untereinander viel mehr Respekt voreinander, als das heute der Fall ist. Heute besteht die Community zu 20% aus Spielern, die Respekt vor dem haben, was man erreicht hat und Leuten, die einfach nur spielen, weil das unser aller Hobby ist und wir alle denselben Spaß am selben Spiel haben und einfach ruhig dabei sind. Die restlichen 80% sind Neider und Leute, die nie etwas im eSport erreichen werden und einfach nur aus Spaß provozieren wollen, warum auch immer.

Das ist jetzt nicht so gemeint wie "Hey, ich bin loomit, hab' Respekt vor mir!", das meine ich damit nicht. Wir befinden uns hier in der sogenannten eSport-Community, 'unserer' Szene und nur ein Bruchteil kennt ein paar andere Leute persönlich, weswegen man nie sagen kann, man mag jemanden als Menschen nicht. Denn man kennt die Leute gar nicht. Aber Fußball-Fans haben auch Respekt vor guten Fußballern oder welche Sportart man auch nehmen will. Und ich werde nie verstehen, mit welchem Recht der Großteil der Szene andere Spieler beleidigt oder ihnen mit einer abartigen Arroganz begegnet. Arroganz ist eine Eigenschaft, die ohnehin kein Mensch haben sollte, egal ob Profi, Amateur, Anfänger, Fan oder erst recht die ganzen Neider und Flamer. Aber irgendwann hört jeder mit dem Spielen auf und dann sind diese ganzen Hampelmänner am nächsten Tag Geschichte.


ESC.ICY BOX
: Denkst du nicht, dass das Internet dabei als Katalysator dient und den Eindruck respektloser Fans verstärkt? Denken sie wirklich so bösartig, wie sie es im Internet darstellen?


loomit: Ob die Leute wirklich so denken, wie sie es oft schreiben, weiß man nicht. Manche wohl schon, manche nicht. Viele machen das wie gesagt auch nur, weil sie einfach Spaß daran haben zu provozieren. Oft auf Kosten anderer. Der Punkt, dass man anonym ist oder zumindest weit weg von allem, was einem irgendwie etwas anhaben könnte, verstärkt das natürlich. Im Internet ist das, was man denkt, auch schnell mal in einem Comment geschrieben und abgeschickt. Auf der Straße oder auf einem Event denken die Leute dann vielleicht genau dasselbe, aber kaum einer von den Leuten würde wirklich zu dir kommen und sagen "Ich mag dich als Spieler nicht" oder "Ich finde, du bist kein guter Spieler". Und wenn sie das tun, dann ist das auch ok. Ich habe kein Problem damit, wenn mich jemand nicht mag oder wenn jemand sagt, dass er nicht der Meinung ist, dass ich gut CS spiele. Aber mir wäre es lieber, wenn es wieder so wäre wie früher, ohne diese ganzen Sachen und dafür wieder mit einer Community, die dasselbe Hobby und mehr Respekt voreinander hat, als es heute der Fall ist.


ESC.ICY BOX: Aber wie realistisch ist das? Wächst der elektronische Sport - wie es häufig gewünscht wird - rückt die familiäre Atmosphäre doch immer mehr in den Hintergrund!

loomit: Das stimmt. Ich denke auch nicht, dass es nochmal so kommen wird. Aber ich verstehe auch nicht, wie die BILD-Zeitung des eSports diesen Leuten auch eine Plattform bieten kann. Wenn mir die Seite gehören würde, würde ich diese ganzen Fake-Accounts sofort löschen, bis die Leute anfangen sich anständige Accounts zu machen, bei denen ihre persönlichen Angaben auch der Wahrheit entsprechen. Das würde zwar das Flamen nicht komplett unterbinden, aber ich denke, es würde weniger werden, da Fake-Accounts diesen Anonymitätsfaktor zusätzlich verstärken.


ESC.ICY BOX: Kommen wir zurück zu dir. Eigentlich warst du schon immer Teil der ESL Pro Series, wirklich aus der Masse herausstechen konntest du aber nie. Das Mittelfeld war immer dein Zuhause. Gastauftritte bei Team Alternate oder mousesports gerieten schnell in Vergessenheit. Woran liegt das?

loomit: Bis auf zwei Ausrutscher auf Platz 10 und einem Ausrutscher auf die Finals habe ich bisher die Plätze 5 und 6 der EPS praktisch gesammelt. Ich bin schon mehrmals mit einem, zwei oder vielleicht drei Punkten an den Finals vorbeigerutscht. Gründe gibt es dafür viele. Der Hauptgrund liegt eigentlich bei den Teams.

Ich war in vielen Teams, die gut genug waren um auf die Finals zu kommen. Aber oft wurde das frühzeitig kaputt gemacht, durch Aktionen hinter dem Rücken anderer Spieler, durch unfähige Manager oder unfähige Organisationen, die manchen Spielern Gründe gaben, die Motivation zu verlieren. Und fehlt einem Spieler die Motivation, geht das ganze Team schnell mit den Bach hinunter. Das ist zum Beispiel der Hauptgrund, warum die vielen Seasons mit den a-Losers, mit ZYKON oder DkH mittelmäßig waren. Bei ESC haben wir in der ersten Season mit einem Punkt die Finals verpasst – mit zwei Spielern aus der vierten Division und haben nach der Saison einfach personaltechnisch die falschen Entscheidungen getroffen. Das hat uns wieder zum Mittelmaß gemacht.

Warum meine Einsätze bei mousesports oder Alternate schneller wieder vorbei waren, als sie angefangen haben, ist meine Schuld. Wobei ich bei mousesports eigentlich keine Chance hatte, mich überhaupt zu empfehlen. Die Station kann man eigentlich gar nicht zählen. Bei Alternate hatte ich aber sehr wohl die Chance, mich zu beweisen und die Chance, den nächsten großen Schritt in meiner Karriere zu machen. Und diese Chance habe ich ganz einfach nicht genutzt. Viele Spieler denken, wenn sie bei mousesports oder Alternate sind, haben sie alles erreicht und brauchen nichts mehr tun. Es regelt sich schon alles irgendwie von selbst. Das ging schon vielen so, auch Spielern wie Kapio, um nur ein Beispiel zu nennen. Viele sagen sich auch, ihnen würde das garantiert nicht passieren, aber genau denen passiert es als erstes. Bei mir war es das selbe und als dann der Moment der Wahrheit kam, wenn man merkt, das Team plant nicht mehr mit einem, dann ist es zu spät, um nochmal Gas zu geben und die Leute zu überzeugen und dann ist man raus. So einfach ist das.


ESC.ICY BOX
: Wie konntest du dich trotz all dieser Ungeschicke elf Seasons immer wieder für die EPS motivieren?

loomit: Das Spiel hat mir trotz allem immer unheimlich viel Spaß gemacht, auch heute noch und das ist die Hauptsache, um sich für neue Aufgaben begeistern zu können. Die Motivation, wieder drei Monate straffen Trainingsalltag ohne Freizeit mitzumachen, kommt von ganz alleine, denn jede neue Aufgabe hat ihre Reize. Das Wechselkarussel hat sich in all den Jahren ja nicht geändert und so ist es ja auch heute noch Gang und Gebe, dass sich fast jedes Team nach einer Saison irgendwie verändert. Daher ist jede neue Aufgabe, der man sich annimmt, eine Herausforderung und das motiviert einen immer wieder auf's Neue, wenn einem das Spiel noch Spaß macht.


Im zweiten Teil sprechen wir mit loomit über das neue Team und die Ziele für 2010!

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3 Kommentareverfasst von: eSportler

Kommentare

#3 kenshu vor 2 Jahren

looooooo amüsiert

very big iview, great job

#2 vor 2 Jahren

lächeln nett

#1 ESC ICY BOX | Tob1 vor 2 Jahren

Vielleicht nen bisschen lang, aber sonst gut.

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